Digitale Canon EOS Fotografie
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Das analoge Sigma APO Makroobjektiv mit 180mm im Test an einer digitalen Vollformatkamera.

Ein Sigma Makroobjektiv APO 180mm f3,5 HSM IF EX aus analogen Zeiten mit 180mm Brennweite wird getestet. Jetzt ist es an der Zeit, um zu erfahren, wie sich denn ein altes Objektiv aus dem Jahre 2003 an einer neuzeitlichen Digitalkamera, der Canon EOS 5D Mark IV schlägt. Ein Sigma Makroobjektiv mit alten Abkürzungen wird verwendet, wo kaum noch einer weiß, welche Bedeutung die Abkürzungen besitzen. Die Abkürzung EX bezeichnet hochvergütete Objektive alter Bauart. Der Ultraschallmotor, welcher bei Canon mit USM und bei Nikon mit SWM ausgewiesen ist, wird bei Sigma mit HSM „Hyper Sonic Motor“ betitelt. Mit der Bezeichnung APO besitzt das Sigma-Objektiv spezielle Glasmaterialien, damit die Bildleistung verbessert und chromatische sowie andere Aberrationen korrigiert werden. IF steht lediglich für eine Innenfokussierung und dabei bleibt die Länge des Objektivs konstant.

Makroobjektiv Sigma APO 180mm f3,5

Das Sigma APO Macro 180mm f3,5 EX HSM IF mit Canon-Anschluss und ohne Bildstabilisierung hat die ganzen Jahre an diversen analogen Vollformatkameras und Spiegelreflexkameras mit Cropfaktor von Canon gute Dienste für Makroaufnahmen geleistet. Das Sigma Makroobjektiv wird nun an die digitale Canon EOS 5D Mark IV mit 30 Megapixel Auflösung angeflanscht. Fälschlicherweise erkennt die Canon DSLR ein Canon-Objektiv mit 180mm Brennweite bei Blende f3,5. Die Kameraelektronik aktiviert vollautomatisch einige Einstellungen im Menü der Objektivkorrekturen. Im Nachhinein kann visuell weder ein Vor- noch Nachteil in der Aufnahme erkannt werden. Dies kann bei anderen Objektiven natürlich zu anderen Ergebnissen führen. Ein Abschalten der Korrekturen ist schnell erledigt.

Taubenschwänzchen fotografiert mit dem Sigma APO 180mm.
Die Entfernung zwischen Kamera mit Makroobjektiv zum Taubenschwänzchen betrug zirka 1.50 Meter.

Sigma APO Makroobjektiv 180mm f3,5 EX If HSM an einer Canon EOS 5D Mark IV
Das Taubenschwänzchen ist ein Schmetterling und wurde fotografiert kurz nach 19 Uhr Anfang August am Schmetterlingsflieder bei einer Lichtempfindlichkeit ISO 640 mit einer eingestellten Blende von f10,0 und einer automatisch errechneten Belichtungszeit von 1/1250 Sekunde. Als Messmethode wurde die Spotmessung gewählt.

Mit einer Brennweite von 180mm ergeben sich gewisse Vorteile. Zwischen Kamera und dem Zielobjekt kann eine größere Fluchtdistanz eingehalten werden und rückt dem Objekt der Begierde nicht so dicht auf den Leib. Es gibt aber nicht nur Vorteile, leider spielt da auch die Verschlusszeit nicht immer mit und eine höhere Lichtempfindlichkeit „ISO“ muss für eine kürzere Belichtungszeit eingestellt werden. Immerhin werden Belichtungszeiten von 1/250 Sekunde benötigt. Besser sind kürzere Verschlusszeiten bei 180mm Brennweite, je nachdem wie ruhig die Kamera mit Objektiv frei Hand gehalten wird und wie stark sich das Zielobjekt bewegt.

Fotografieren ohne Bildstabilisator.

Bei den ersten Testaufnahmen freihändig im RAW-Modus musste ich feststellen, dass ich doch erheblich zittere „man wird halt älter“. Da ich fast ausschließlich nur noch mit Bildstabilisator unterwegs bin, ist ein wackliges Objekt durch den Sucher ungewohnt und ein mulmiges Bauchgefühl nach dem Auslösen stellt sich ein. Die Frage, welche sich einem stellt: Hat die Belichtungszeit jetzt wirklich gereicht? Ein Bildstabilisator, welcher Verwacklungen und Verschiebungen ausgleicht, in Fotojargon auch als Image-Stabilizer und Vibration-Reduction bekannt, wäre bei 180mm Brennweite eine feine Sache.

Eine Hornissen-Schwebfliege fotografiert mit dem Makroobjektiv Sigma APO 180mm.
Aufgenommen mit der EOS 5D Mark IV „30 Megapixel Vollformatkamera“ und dem Makroobjektiv Sigma APO 180mm f3,5 Macro HSM If EX von Oktober 2003. Alle Objektivabberationskorrekturen wurden im Kameramenü manuell abgeschaltet.

Hornissen-Schwebfliege
Der Autofokus war auf den Kopf der Hornissen-Schwebfliege gerichtet. Auch beim Fokussieren merkt man die Altersunterschiede zwischen den langsamen Sigma APO Hyper-Sonic-Motor und dem pfeilschnellen Canon Ultraschallmotor im Makroobjektiv 100L f2,8 IS. Die Aufnahme wurde fotografiert mit ISO 1250 bei Blende f8,0 und 1/400 Sekunde. Als Messmethode wurde die Spotmessung gewählt, welche zirka 1,5% des Sucherbereichs abdeckt.

 

Getrost sei zu erwähnen, dass es auch Canon im Jahre 2020 nicht geschafft hat, das alte 180er Canon Makroobjektiv durch ein höherwertiges mit Bildstabilisator zu ersetzen. Dieser Bildstabilisator, welcher nicht nur bei dem Sigma Makroobjektiv fehlt, definiert die Freihandfotografie ganz neu und verleiht einem ein gewisses Gefühl an Sicherheit für die Verschlusszeit.

Probleme mit AI Servo kann durch AI-Focus und One-Shot behoben werden.

Mit AI Servo Autofokus, Verfolgung des Motivs mit der Nachführautomatik, scheinen Kamera und Objektiv miteinander zu kämpfen. Der Hyper-Sonic-Motor im Objektiv kommt fast nicht mehr zur Ruhe und hat gefühlt eine Trefferquote um die 60 bis 70 Prozent. Das Fokussieren geschieht dabei auf gemütliche Art und Weise, wenn das Objekt sich schnell um mehr als 5 bis 8 Zentimeter aus dem Fokus bewegt. Nichts destotrotz finden Kamera und Objektiv immer wieder das Objekt der Begierde. Bei Blende f8,0 und einem Objektabstand von 60 Zentimetern verbleiben einem knapp 4 Millimeter Schärfentiefe. Mit Blende f8 fühlt sich visuell betrachtet das Gesamtbild qualitativ gut an und auch die Schärfe beeindruckt, trotz des in die Jahre gekommenen Sigma Makroobjektivs.

Schmetterling Admiral und das Sigma Makroobjektiv.
Das Bild zeigt einen Ausschnitt um die Schärfentiefe zu verdeutlichen.

Flügelunterseite vom Admiral
Dem Schmetterling Admiral ganz nahe auf die Pelle gerückt mit dem Sigma 180er Makroobjektiv. Das in die Jahre gekommene analoge Sigma APO Makroobjektiv 180mm f3,5 EX IF HSM hinterlässt an einer modernen digitalen Vollformatkamera mit 30 Megapixeln gar keinen schlechten Eindruck. Bei einer kurzen Objektdistanz sowie Blende f8,0 ist der Schärfebereich sehr eingeengt. Die visuelle Empfindung der Schärfeleistung ist bei Blende f8,0 ausgezeichnet. Mit zunehmender Blende nimmt die Bildqualität ab. Abgeblendet auf f14,0 bis f16,0 fühlen sich die Bilder mit dem Sigma Makroobjektiv matschig sowie unscharf an und die Aufnahme verliert insgesamt an Bildqualität. Das Schmetterlingsbild wurde aufgenommen mit ISO1250 bei Blende f8,0 und einer Verschlusszeit von 1/800 Sekunde. Als Messmethode wurde die Slektivmessung gewählt, welche zirka 6% des Sucherbereichs abdeckt.

 

Abgeblendet auf Blende f10,0 wird eine Schärfentiefe von zirka 5 Millimeter bei einer Distanz von 60 Zentimetern erreicht. Die Schärfe scheint jetzt leicht abzunehmen, die Bildqualität liegt aber immer noch im ansehnlichen Bereich. Abgeblendet auf Blende f14 bis f16 wirken die Bilder matschig, unscharf und die Bildqualität leidet.

Schmetterling Admiral mit Blende f16.
Das Bild verdeutlicht die Unschärfe durch zu hohe Blendenwerte am Sigma Makroobjektiv.

Das Sigma APO in Verbindung mit Blende f16 ist an einer 30 Megapixel Vollformatkamera nicht zu empfehlen.
Der Schmetterling wurde mit ISO 800 bei einer eingestellten Blende von f16,0 und einer berechneten Belichtungszeit von 1/250 Sekunde fotografiert. Die universelle Mehrfeldmessung/Matrixmessung wurde als Messmethode gewählt und leistet bei Canon sowie Nikon immer sehr gute Ergebnisse.

 

Die RAW-Dateien betrachtet am Computer zeigen, dass eine stabile und solide Grundschärfe, welches zum Beispiel das Canon EF 100mm f2,8L IS USM Macro mitbringt, nicht gegeben ist. Alle RAW-Bilder müssen mit höheren Werten als gewohnt, geschärft werden. Dies hat zur Folge, dass durch die höhere Lichtempfindlichkeitseinstellung auch das Bildrauschen leicht mitgeschärft wird. Um dieses wieder zu kompensieren, hilft nur ein entrauschen der Bilder.

Bis zum Bildrand hin kann sich die Aufnahme sehen lassen, lediglich einen tick mehr an Farbintensität könnte es vertragen. Dies ist aber dank Bildentwicklungssoftware mit einem Sättigungswert von +2 schnell hergestellt. Das Sigma APO Macro 180mm f3,5 EX HSM IF liefert keine katastrophalen Ergebnisse an einer Vollformatkamera mit 30 Megapixeln. Ohne dass eine extreme Wissenschaft daraus gemacht wird und Bildzeilen gezählt oder sonstige Krümel gesucht werden, liefert das Makroobjektiv absolut brauchbare und gute Bildergebnisse.

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Fazit zum Sigma APO 180mm f3,5 If HSM EX

Besitzt man ein analoges und in die Jahre gekommenes Objektiv, sollte man dieses an seiner digitalen Kamera ausprobieren. Das Objektiv kann nun bei unterschiedlichen Blendenwerten getestet werden. Es sollte keine Laborwissenschaft „unrealistische Versuchsaufbauten“ betrieben werden. Lediglich die visuelle Bildqualität soll überzeugen. Zumindest das Sigma APO 180mm f3,5 Makroobjektiv liefert an einer 30 Megapixel Vollformatkamera eine gute Bildqualität bis zirka Blende f10 und sollte nicht ausgemustert werden.

Vergleichsaufnahme Makroobjektiv Sigma gegen Canon.

Zwei Makroobjektive, die unterschiedlicher nicht sein können. Das analoge Sigma APO 180mm f3,5 IF HSM EX und das Canon 100mm f2,8L IS USM im Bild- und Qualitätsvergleich. Das Bild kann mit einem linken Mausklick in einer maximalen Auflösung von 2500 x 1200 Pixel betrachtet werden.

Makroobjektive Sigma 180mm versus Canon 100mm
Beide Bilder zeigen eine Hornissen-Schwebfliege an einem Schmetterlingsflieder, welche mit einer digitalen Canon EOS 5D Mark IV aufgenommen wurde. Die eingesetzte Digitalkamera besitzt einen Vollformatsensor mit einer Bildauflösung von 30 Megapixeln. Beide Aufnahmen wurden bei einer Sensorempfindlichkeit von ISO 640 durchgeführt. Lediglich in der Blendenwahl liegt ein Unterschied. Da beim Sigma bei größeren Blendenwerten die Bildqualität leidet, entstand die linke Aufnahme bei Blende f8,0. Das rechte Bild wurde mit dem Canon Makroobjektiv bei Blende f16,0 fotografiert.

 

Weitere Bilder mit dem Makroobjektiv Sigma APO 180mm f3,5 sowie Makroaufnahmen mit dem Canon EF 100L IS USM sind zu finden unter:
Schmetterlinge, Falter und Schwärmer digital fotografiert.

 

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