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In Deutschland, Österreich, Niederlande, Schweden und vielen weiteren Ländern boomt das Fotografieren. Besonders die Zahl an semi-professionellen Fotografen und der Verkauf von digitalen Spiegelreflexkameras hat zugenommen. Schöne Motive gibt es auf der ganzen Welt, es reicht schon ein Blick vor die eigene Haustür, in den Garten, oder auf die gegenüberliegende Straßenseite. Moderne Spiegelreflexkameras können heutzutage in einer hervorragenden Digitalqualität fotografieren, doch eine hochtechnologische Kamera macht noch lange keine guten Bilder. Fotografieren ist mehr als nur eine Erinnerung an den Urlaub, die Familie, den geliebten Menschen oder die Objekte, welche Vergänglich sind. Fotografieren ist Kunst, welche man sich Rahmen läßt und auf dem Nachttisch, im Wohnzimmer oder in einer Fotogalerie immer wieder auf’s Neue entdeckt.

Wenn man mit der digitalen Fotokamera und dem Equipment vertraut ist und schon einige Bilder im Vollautomatikprogramm getätigt hat, wird man bemerken, dass vielen Bildern das gewisse Extra fehlt. Besonders im Bereich Schärfe ist meist alles klar und deutlich abgebildet, obwohl es doch manchmal vorteilhafter wäre, wenn das Objekt der Begierde sich abheben würde. Das Fotografieren im Halbautomatikmodus ist kein Hexenwerk und wenn man einiges, wie beim Autofahren, im Auge behält, bekommen die Bilder einen ganz neuen Reiz.

 

     

Es sieht schwieriger aus als es scheint. Eine digitale Spiegelreflexkamera läßt keine Wünsche offen und man kann nicht nur JPG-Bilder (komprimierte Bilddaten) aufnehmen, sondern auch Rohdaten (RAW,CR,CRW) kombiniert mit einem JPG-Bild. Diese Kombination aus Rohdaten und JPG ist empfehlenswert, auch wenn mehr Speicherplatz benötigt wird, lohnt sich diese Aufnahmeeinstellung. Versuchen wir ein paar Aufnahmen im Halbautomatikprogramm Zeitautomatik mit Blendenvorwahl -Av-. Vorab sollten wir die Spiegelreflexkamera mit einem Objektiv, wenn möglich Zoomobjektiv mit mittlerer bis höhere Brennweite, startklar machen. Nun beschäftigen wir uns intensiver mit den Einstellungen der Autofokusfelder und der ISO-Filmempfindlichkeit, die wir auf ISO 100 einstellen und nur das zentrale Autofokusfeld aktivieren. Diese zwei Einstelloptionen gehen nach mehrmaligen umstellen, dann in Fleisch und Blut über, wie das Kuppeln und Bremsen beim Autofahren.

 

Wir suchen uns ein einfaches und unbewegliches Objekt der Begierde, wie eine Biene aus Glas. Auf was müssen wir Achten, wenn wir im Zeitautomatikprogramm -Av- fotografieren? Die Belichtungszeit wird von der Kamera vollautomatisch berechnet. Auf diese Zeit müssen wir immer ein Auge haben, denn je länger die Belichtungszeit (1/100 Sekunde, länger = 1/50 Sekunde, länger = 1/10 Sekunde, länger = 1 Sekunde) desto höher ist die Verwacklungsgefahr des Bildes. Im Programm -Av- sind wir der Herrscher über die Schärfentiefe. Je größer der Blendenwert (f3.5, größer f5.0, größer f8), desto mehr Schärfe erlangt das Bild im vorderen und hinteren Bildbereich. Je kleiner der Blendenwert, umso mehr hebt sich das anfokussierte Objekt vom Vorder- und Hintergrund ab, so können störende Hintergründe ausgeblendet werden.

 

Wir haben ein gut ausgeleuchtetes Objekt gefunden und da ausschließlich der zentrale Autofokus aktiviert wurde, fokussiert die Kamera direkt auf den Gegenstand bei halb heruntergedrücktem Auslöser. Auf dem Zoomobjektiv, mit der flexiblen einstellbaren Brennweite, befinden sich mehrere Brennweitenangaben in einem gewissen Abstand auf dem Tubus (75, 100, 135, 200 wäre ein Zoomobjektiv 75mm-200mm). Die derzeit eingestellte Brennweite bei einem Zoomobjektiv befindet sich, meist markiert mit einem Strich, auf dem Objektiv über oder unter der Brennweitenzahl. Als Foto-Einsteiger wäre es ungewöhnlich (dennoch nicht ausgeschlossen), wenn die Kamera eine Vollformatkamera ist (besitzt keinen Cropfaktor). Üblich ist eine APS-C-Kamera mit einem Cropfaktor. Folgendes kann man sich merken: Die eingestellte Brennweite laut Objektiv x Cropfaktor der Kamera ergibt 1/längste Belichtungszeit. Als Beispiel: Marker des Objektivs zeigt auf 75mm. Der Cropfaktor des Kamerachip ist 1,6. Nun ergibt sich: 75mm x 1,6 = 1/120s. Das wäre die längste Belichtungszeit ohne, dass sich das Objekt selbst schnell bewegt. Gerne kann mit Angstfaktor gerechnet werden, das wäre dann 75mm x 2 = 1/150s wäre dann die längste Belichtungszeit.

 

 

Das Objekt ist mit dem zentralen Autofokusfeld fokussiert, der Blendenwert (2,8/3,5/5,6/6,3) ist so klein wie möglich eingestellt und die Belichtungszeit istgleich Brennweite x 2 = 1/Wert. Beispiel: 100mm Brennweite am Objektiv = 1/200s sollte im Sucher errechnet und angezeigt werden, besser 1/300s, 1/400s, 1/500s. Was nun, wenn die Belichtungszeit der Kamera zum Beispiel 1/30 Sekunde anzeigt? Dies ist eine sehr lange Belichtungszeit und führt zu einem verwackelten und verschwommenen Bild. Die Brennweite des Zoomobjektivs zu verkürzen wäre eine Möglichkeit. Wenn im Freien fotografiert wird und es sind Wolken vor die Sonne gezogen, dann auf bessere Lichtverhältnisse warten oder die ISO-Empfindlichkeit auf ISO200, ISO400, ISO600, ISO800 erhöhen. Achtung je höher die ISO-Zahl, umso körniger und unansehnlicher wird das Bild. Die Grenze der höchsten ISO-Zahl der Kamera muss selbst ausgetestet werden. Bei einigen Spiegelreflexkameras leidet bei ISO3200 die Bildqualität und das Bild ist unbrauchbar, andere Kameraboliden im Profibereich beherrschen ISO25000 und da ist das Bild noch akzeptabel. Ein Stativ wäre noch eine Möglichkeit, wenn das Objekt unbeweglich ist. Einbeinstative sind handlich, klein und leicht. Ein Blitzgerät wäre die letzte Möglichkeit, je nach Einsatz muss mit unschönen Blitzreflexionen gerechnet werden und eine vorhandene Lichtstimmung wird zerstört, wie ein Paar bei Kerzenlicht, eine Trauung in der Kirche, oder ein Picknick bei Sonnenuntergang.

 

 

Kurz zusammengefasst:
>Die ISO Filmempfindlichkeit ISO100,200,400,800,1600 sollte man irgendwann im Blindflug einstellen können.

>Die Fokusfelder sollte man manuell auswählen und zur schöneren Bildgestaltung fix einstellen können.
>Wie sich der Blendenwert -Av- an der Kamera verstellen läßt, sollte in Fleisch und Blut übergehen.
>Bekannt sein sollte auch die Auswirkung vom Blendenwert (kleine Blendenzahl?) auf die Schärfentiefe.
>Die errechnete Verschlußzeit der Kamera sollte man immer im Auge behalten (Zeit=1/Brennweite).
>Wer feststellt, dass die Kamera generell überbelichtet, kann den EV (Belichtungswert) auf -1/3 stellen.

 

 

Wer am Monitor verwackelte, verwischte, oder verschwommene Bilder hat; der kann nun folgendes in den EXIF-Daten kontrollieren: Wie war die eingestellte Brennweite am Objektiv und mit welcher Auslöse- Verschlusszeit wurde das Bild aufgenommen? Bei 200mm Brennweite und 1/400 Sekunde spricht erst einmal nichts für Verwacklung, bis der Rennwagen mit 200km/h Fahrgeschwindigkeit aufgenommen werden soll. Zu guter Letzt sollte man sich mal intensiver mit den Rohdaten beschäftigen, denn ein unter- oder überbelichtetes JPG-Bild kann man in die Tonne werfen, aber das RAW-Bild eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Und überlegt zweimal bevor Ihr ein RAW-Bild vernichtet, denn das ist Euer Original.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Spielen mit der Zeitautomatik mit der Blendenvorwahl -Av-

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